Am Mittwoch 13. August 2008 in aller Frühe verlässt eine
2er-Seilschaft die Tschiervahütte, um den Piz Bernina über
den Biancograt zu besteigen. Weiter ist geplant die Marco e Rosa-Hütte
zu erreichen, dort zu nächtigen, um dann am nächsten Tag ins
Tal abzusteigen. Dort würden sie den letzten Ferientag geniessen,
denn am Samstag müssen beide wieder am Arbeitsplatz erscheinen.
Am Mittwoch 20. August fliegt der Augusta-Helikopter der Rega die Gegend
um den Berninagipfel, die Ost- und die Westflanke ab. Am Berg sind auch
Bergretter zu Fuss unterwegs. Man sucht nach einer vermissten 2er-Seilschaft.
Am Sonntag 10. August verabschiede ich Jakob und seine Freundin Petra
vor meiner Alphütte. Wie einige andere gute Freunde kamen sie mich
an meinen Geburtstag auf der Alp besuchen und begleiteten mich am nächsten
Tag noch bei meinem Kontrollgang zur Mutterkuhherde. Es ist herrliches
Wetter wir liegen im Gras und geniessen die Bergwelt. Sie erzählen
mir, dass sie am Dienstag zur Tschiervahütte aufsteigen wollen,
um am Mittwoch den Biancograt zu machen. Ich würde gerne mitkommen,
sei aber bis zum Herbst noch auf der Alp verpflichtet. Aber im Herbst
können wir wieder zusammen klettern gehen, … leider wird
es nie mehr dazu kommen.
Es ist Herbst. Ich bin mit Berni und Michi am klettern. Wir richten
eine neue Route ein. Es soll eine Gedenkroute werden. Ein Andenken an
unseren Freund Jakob Bacchini. Jakob und Petra werden seit dem 13. August
am Bernina vermisst, am Biancograt wurden sie zum letzten Mal gesehen,
seither fehlt von ihnen jede Spur. Eine Suchaktion war erfolglos.
Ich verlor einen langjährigen Freund, einen ehemaligen WG-Mitbewohner,
meinen Mentor, meinen kompetentesten Partner für Klettertouren
im Fels und Eis. Jeder der Jakob kannte wusste seine Art zu schätzen,
jedem wird aufgefallen sein warum Jakob nun so fehlt. Jakob war stets
freundlich, lustig und unglaublich tolerant, immer sah er vor allem
das Positive. Es fällt mir schwer ihn hier mit Worten zu beschreiben,
Glück dem, der einen Teil des Lebens an Jakob`s Seite verbringen
durfte. Mir werden viele Erlebnisse mit ihm für immer in bester
Erinnerung bleiben, die Eisklettertrips ins Brandnertal, die unvergesslichen
Ferien in den Dolomiten und im Val di Mello. Selten hab ich so viel
gelacht …..
Jakob war schon seit Jahren einer der besten Allround-Kletter der Region.
Im Eisfallklettern war er ein Ass. Selbst in schwersten und heiklen
Situationen konnte er unglaublich ruhig bleiben. Kein Wunder holte er
sich die Zweitbegehung des “Berserker” WI 7, vielleicht
der schwerste Eisfall der Schweiz. Auch im Fels war Jakob sehr talentiert,
er kletterte Boulders bis 8A+ und Routen bis 8b. Dabei hatte er nie
eine Route ernsthaft projektiert. Auch hatte er eine manchmal erschreckend
gute Psyche. Man(n) mache mal den grossen Aversfall (Thron) free solo.
Ohne Seil musste er auch die Abseilstrecke im Abstieg abklettern! Er
kletterte auch diverse Klettergarten-routen bis 7c free solo. Doch nie
prahlte er damit herum. Oft erzählte er nur so am Rande darüber,
manchmal erst Monate oder Jahre später bei einer passenden Situation.
Jakob wollte die Bergführerprüfung machen, es war ihm aber
nicht vergönnt diese Ausbildung zu beenden. Er wäre ein guter
Bergführer geworden. Er war sich nie zu schade mit schwächeren
Kletterer (Kletterinnen!) einfachere Touren zu machen.
Dies ist eine zu Papier gebrachte Hommage an Jakob.
Nie kann ein geschriebener Text die wahren Gefühle beschreiben,
den Schmerz einen guten Freund zu verlieren, aber auch nicht das Schmunzeln
wenn ich an die Aktionen mit ihm zusammen denke.
Es ist bitter Jakob und Petra irgendwo
am Bernina zu wissen, zu akzeptieren dass sie tot sind. Die Zukunft
wird ohne dich geschrieben, aber du wirst immer in meiner Erinnerungen
bleiben. Es ist mir eine Ehre mit dir ein Stück des Weges gegangen
zu sein………
….….dein Freund Fabian Guntli